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Buchverluste und Wiederbeschaffung

Nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gelten mehr als 50.000 Bücher als verloren. Mit einer eigenen Website, die eine Teilsicht auf den elektronischen Katalog darstellt, stellen wir diejenigen Titel vor, die die Herzogin Anna Amalia Bibliothek gern ersetzen möchte. Falls es Bibliotheken mit Dublettenbeständen oder Einzelpersonen möglich ist, uns die eine oder andere dieser Ausgaben als Geschenk zu überlassen, würden wir uns sehr darüber freuen.

Website Brandverluste/Verlust-Datenbank

http://haab.weimar-klassik.de/brandverluste/ [öffnet neues Fenster]

Musikalien unter den Brandverlusten

http://haab.weimar-klassik.de/Musikalienkatalog/ [öffnet neues Fenster]

Weitere Angaben zu den Buchverlusten und zur Wiederbeschaffung:

Buchverluste

Beim Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wurden neben einem großen Teil der historischen Bausubstanz und Werken der Bildenden Kunst vor allem kulturgeschichtlich einmalige Buchbestände zerstört.

Stark betroffen sind die Herzogliche Musikaliensammlung und weitere Musikalien des historischen Bestandes – sowohl Handschriften als auch seltene Drucke. Unter den Verlusten befindet sich z. B. ein Stimmbuch des Orlando di Lasso aus dem Jahr 1588. Verloren ist auch eine Handschrift aus dem Jahr 1788 von Pasquale Anfossi (1727–1797) La Maga Circa Farsetta a Cinque Voci (in un Atto Solo Musica). Die deutsche Übersetzung im Text stammte teilweise von Goethes Hand. Beispiele für Musikalien, die mit starken Brandschäden geborgen wurden, sind eine handschriftliche Partitur Arien und Chöre zu Lila, einem Feenspiel in vier Aufzügen von Siegmund Frh. v. Seckendorff für einen Text von Goethe aus dem Jahr 1777 und eine Handschrift der Grand Sonate für Klavier zu vier Händen As-Dur op. 92 von Johann Nepomuk Hummel. Insgesamt enthielt der Bestand 95 Werke Hummels. Nur 15 von ihnen und ein kleines Fragment sind unversehrt erhalten, 14 weitere können restauriert werden. Von 52 Exemplaren besitzt die Bibliothek zumindest Mikrofilme.

Außerdem sind weitere kostbare Druckwerke des 16. und 17. Jahrhunderts, insbesondere ein Großteil der Bibliothek des ehemaligen Wittenberger Universitätsprofessors und Weimarer Bibliotheksdirektors Konrad Samuel Schurzfleisch (1641–1708) und seines Bruders Heinrich Leonhard Schurzfleisch (1664–1722) vom Brand betroffen. Zerstört wurden zahlreiche Druckwerke der Fruchtbringenden Gesellschaft, der 1617 in Weimar gegründeten ersten deutschen Sprachakademie. Dazu gehören Georg Philipp Harsdörffers Specimen philologiae Germanicae (Nürnberg 1646) oder seine Übersetzung des Klugen Hofmanns von Eustache de Refuge (Hamburg 1667). Der berühmte Neu-Sprossende Teutsche Palmbaum von 1668 ist dagegen nicht verbrannt. Leider sind auch Teile des Nachlasses von Wilhelm Fröhner (1834–1925), eines bedeutenden Altertumsforschers und Sammlers, den Flammen zum Opfer gefallen, wozu u. a. mehrere Sammelbände aus verschiedenen Teildisziplinen der Altertumswissenschaften gehören. Der mehrere tausend Bücher umfassende Nachlass des völkisch-nationalen Autors Adolf Bartels (1862–1945) ist ebenfalls weitgehend zerstört. Dagegen konnten die Bibelsammlung, die gleichfalls im Rokokosaal aufbewahrt war und viele weitere kostbare Bände aus den unteren Geschossen gerettet werden. Dem Umstand, dass sie als Ausstellungsstücke verliehen waren, oder ihrer grundsätzlich separaten Aufbewahrung verdanken einige Kostbarkeiten der genannten Bestandsgruppen, wie etwa die Mozarthandschrift Concerto in B, ihre unversehrte Erhaltung.

Buch
Foto: Maik Schuck

Wiederbeschaffung

Für den Wiederaufbau der Buchbestände (Buchrestaurierung und Wiederbeschaffung) sind an öffentlichen Mitteln und privaten Spenden bisher 37 Mio € eingegangen, etwa die Hälfte der nötigen Summe von 67 Mio. €. Die größte Einzelspende in Höhe von 5 Mio. € kam von der Vodafone Stiftung Deutschland. Insgesamt haben mehr als 22.000 Personen und Institutionen Geld oder Bücher gespendet.

Seit dem Bibliotheksbrand vom 2. September 2004 bemüht sich die Herzogin Anna Amalia Bibliothek neben den Restaurierungsarbeiten auch um antiquarische Ersatzbeschaffungen. Dabei sollen vorrangig diejenigen Werke in einem möglichst entsprechenden Exemplar erworben werden, die vollständig verbrannt sind, oder für die eine Restaurierung mit angemessenem Aufwand nicht mehr möglich ist. Auch adäquate Ergänzungen des dezimierten Altbestands werden dabei realisiert. In diesem Rahmen sind bisher 41.000 Werke des 16. bis 20. Jahrhunderts in den Bestand integriert worden. Dabei handelt es sich um 16.000 Bücher, die nach dem Brand als Geschenke anderer Bibliotheken und von privater Seite angenommen wurden sowie um 25.000 gezielte antiquarische Erwerbungen. Insgesamt konnten bislang 10.000 verbrannte Werke durch ein bibliographisch identisches oder vergleichbares Exemplar ersetzt werden.

Besondere Erwerbungen 2013

Im Jahr 2013 wurden im Wiederbeschaffungsprojekt 2.275 Kaufexemplare und 1.440 Buchgeschenke erworben. Mehrere Sammlungen, von denen die Bibliothek bereits Teilbestände angekauft hatte, wurden 2013 weiter ergänzt, so z. B. die des Sachsen-Weimarischen Kammerrats und Schriftstellers der Goethezeit Georg August von Breitenbauch (183 Bände), eine Sammlung zu den deutschen Jacobinern und der Mainzer Republik (153 Bände) sowie Bücher aus der Bibliothek Rainer Maria Rilkes. Diese stellen nicht zuletzt eine Kompensation für die mehr als 80 beim Brand vernichteten oder stark beschädigten Rilke-Ausgaben dar. Zusammen mit den Ankäufen aus dem Vorjahr wurden insgesamt 42 Widmungsexemplare zeitgenössischer Autoren und Übersetzer integriert, u. a. von Arthur Schnitzler, Siegfried Trebitsch, Jakob Wassermann, Reinhard Johannes Sorge, Georg Kaiser und Claire Goll sowie 7 Exemplare mit Besitzvermerk Rilkes. Aus dem Nachlass seiner zuletzt in Weimar lebenden Mutter Phia Rilke stammen 12 Exemplare. Zwei Bände eines Unterhaltungsromans tragen mehrzeilige Widmungen des damals vierzehnjährigen Sohns zum Weihnachtsfest 1889. Besondere Einzelankäufe waren außerdem Provenienzexemplare von Bettina v. Arnim, Alexander v. Humboldt, Theodor Fontane und Friedrich Dedekind sowie das eigenhändig annotierte Autorenexemplar von Carl August Böttigers 1810 veröffentlichter Schrift Die Aldobrandinische Hochzeit. Eine archäologische Ausdeutung (die beiden Exemplare aus dem Altbestand der Bibliothek zählen zu den Brandverlusten). Einen engen Bezug zur Sammlung hat auch eine bislang fehlende Benutzungsordnung der Herzoglichen Bibliothek von 1810, die aus Privatbesitz erworben werden konnte. Auf einer Berliner Auktion gelang der Ankauf einer der seltensten frühen Goethe-Werkausgaben: Göthe's vornehmste Werke, Bern, Walthard, 1776, von der weltweit nur noch ein weiteres Exemplar in einer öffentlichen Sammlung nachgewiesen ist. Unter den Buchgeschenken besonders zu erwähnen sind die wiederbeschaffte Erstausgabe von Eichendorffs 1815 erschienenen Roman Ahnung und Gegenwart, Sebastian Münsters Cosmographia von 1628 in einem prachtvollen Einband der Zeit sowie ein 1505 bei Höltzel in Nürnberg gedruckter Arbor consanguinitatis von Johannes Andreae.

Besondere Erwerbungen 2012

Im Jahr 2012 wurden im Wiederbeschaffungsprojekt 2.700 Bücher erworben. Unter den Ersatzexemplaren für Brandverluste befinden sich erneut bedeutende Ausgaben wie z. B. Tommaso Campanellas Astrologicorum Libri VII (Frankfurt a. M., Tambach, 1630) oder Fernão Mendes Pintos Wunderliche und merkwürdige Reisen, welche er innerhalb ein und zwantzig Jahren durch Europa, Asia, und Africa … verrichtet in der deutschen Erstausgabe (Amsterdam, Velsen u. Boom, 1671). Im Jahr des 250. Geburtstages von Christian August Vulpius gelang die Wiederbeschaffung seiner 1783 gedruckten Huldigungsschrift Das Opfer im Hayne der Geister. Fragment aus einer alten teutschen Chronik. Diese ist weltweit nur in Weimar sowie im Katalog der Sammlung Kippenberg nachgewiesen. Zur Ergänzung wichtiger Sammlungsbereiche der Bibliothek wurden rund 200 seltene Ausgaben der Unterhaltungsliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts, mehr als 100 Bände einer Kollektion zu den deutschen Jakobinern und der Mainzer Republik sowie mehrere Kinder- und Jugendbücher der Goethezeit angekauft. Dazu gehört das weltweit einzige vollständige Exemplar der 1816 und 1817 in Prag bei Enders verlegten fünfbändigen Reihe Neueste Jugendbibliothek oder die vorzüglichsten Gegenstände des Jugendunterrichts, von der Elementarbildung an bis zum reifern Alter.

Ein anderer äußerst seltener Prager Druck aus dem Jahr 1805 bereichert die Musikaliensammlung: Die bislang nur in einem Exemplar der Tschechischen Nationalbibliothek bekannte Monatsschrift für Gesang und Klavier Harmonia, von der die Hefte 1 bis 6 erworben wurden, enthält weitgehend unbekannte Lieder und Klavierwerke böhmischer Komponisten, darunter auch Vertonungen zu Goethes Fischer und Nähe des Geliebten. Unikalen Wert besitzen einige Erwerbungen von besonderer Provenienz. So konnten 16 reich annotierte Bände aus der Bibliothek des Philosophen Franz von Baader angekauft werden sowie 20 Bände aus dem Vorbesitz von Rainer Maria Rilke, zumeist Widmungsexemplare anderer Autoren wie z. B. Arthur Schnitzlers Lieutenant Gustl (Berlin, Fischer, 1901) oder Jakob Wassermanns Alexander in Babylon (Berlin, Fischer, 1905). Unter den wertvollen Geschenken an die Bibliothek sind eine 1.500 Bände umfassende Privatsammlung mit Literatur der Goethezeit und eine Schenkung der Bibliothek der Hochschule der Medien Stuttgart besonders zu erwähnen. Letztere gab rund 100 Bücher nach Weimar, darunter eine größere Anzahl alter Drucke und bibliophiler Pressendrucke.

Besondere Erwerbungen 2011

Im Rahmen der Wiederbeschaffung historischer Drucke nach dem Bibliotheksbrand wurden im Jahr 2011 ca. 3.000 Bücher in die Sammlung integriert. Mehr als 1200 von ihnen ersetzen Brandverluste in einem zumeist ausgabenidentischen Exemplar. Darunter befinden sich beispielsweise bedeutende botanische Werke wie die Rariorum Plantarum Historia von Charles de L’Ecluse in der Ausgabe Antwerpen, Moretus, 1601 oder die Annotationes in Pedacii Dioscoridis Anazarbei de Medica materia des Valerius Cordus (Straßburg, Rihel 1561). Auf einer niederländischen Auktion konnte eines der schönsten barocken Festbücher in einem tadellos erhaltenen Exemplar wiederbeschafft werden: Medicea Hospes, sive Descriptio Pvblicæ Gratvlationis. Die von Caspar Barleus verfasste Huldigungsschrift für Maria de Medici erschien anlässlich ihres Empfangs in Amsterdam am 31. August 1638 bei Johan und Cornelius Blaeu. Teil des Konzepts zum Wiederaufbau der historischen Bestände ist die Ergänzung wichtiger, vom Brand geschädigter Teilbereiche durch seltene Ausgaben, um den Verlust vergleichbarer Rara zu kompensieren. Dazu zählt die Erwerbung eines größeren Bestands an historischen Kalendern aus Prag und Brünn, von denen 35 Jahrgänge sowie zwei Titel noch nicht in der Zeitschriftendatenbank nachgewiesen waren. Aus der Goethe-Sammlung eines italienischen Sammlers wurden 34 in Weimar noch nicht vorhandene Goethe-Ausgaben erworben, darunter zehn französische, italienische und spanische Werther-Ausgaben des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Der wertvollste Ankauf war ein sehr qualitätvoll gearbeiteter, mit Rollen- und Plattenprägung sowie aufwändiger Lackmalerei versehener Prachtband des Weimarer Hofbuchbinders Lukas Weischner, der im Frühjahr in Berlin zur Versteigerung kam und vermutlich aus derselben Privatsammlung stammt wie ein 2010 beim selben Auktionshaus erworbener Weischner-Band der Wittenberger Lutherausgabe. Der 2011 ersteigerte Band umschließt einen seltenen Jenaer Lutherdruck, der bislang europaweit lediglich in einem einzigen Exemplar bekannt war: die Predigtsammlung Haußpostill über die Sontags- und der Fürnemesten Feste Evangelien, durch das gantze Jahr, Jena, Richtzenhan, 1597. Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dem Exemplar um einen Dedikationsband für Melchior Saugenfinger, den damaligen Bürgermeister von Nördlingen.

Besondere Erwerbungen 2010

Im Rahmen der Wiederbeschaffung historischer Drucke nach dem Bibliotheksbrand konnten im Jahr 2010 ca. 4.000 Erwerbungen realisiert werden. Der bedeutendste Ankauf ist ein prachtvoll gebundener Einzelband der Wittenberger Lutherausgabe von 1569 (Der Zehende Teil der Bücher, 3. Aufl. Wittenberg, Peter Seitz). Er stammt aus dem Vorbesitz Herzog Friedrich Wilhelms I. von Sachsen-Weimar (1562-1602) und seiner ersten Gemahlin Sophia, geb. von Württemberg (1563-1590). Die aufwändige Gestaltung des mit Lackfarben verzierten Schafledereinbands bestimmen verschiedene Platten und Rollen, florale Ornamentik und Flechtbandwerk. Es handelt sich um eine Arbeit der Jenaer Hof- und Universitätsbuchbinderei, in der Johannes Weischner und sein Sohn Lukas tätig waren. Beide gehörten zu den bedeutendsten Buchbindern der deutschen Spätrenaissance. Entsprechend den Brandverlusten in nahezu allen Sachgebieten des fachlich universal geprägten historischen Altbestands erwarb die Weimarer Bibliothek erneut Bücher verschiedenster Themengebiete.

Auf einer Amsterdamer Auktion ersteigerte sie ein seltenes Fechtbuch aus dem 17. Jahrhundert: Salvatore Fabris Della vera pratica & Scienza D’Armi Libri Dve (Padua, Tozzi, 1624). Die kostbare, mit 190 Kupferstichen versehene Ausgabe ist weltweit nur noch an zwei Bibliotheken in Mailand und Paris nachgewiesen. Ebenfalls 2010 gelang die Wiederbeschaffung der verbrannten Fabri-Ausgabe Italiänische Fechtkunst (Leiden, Elzevier, 1619). Unter den naturwissenschaftlichen Werken ist die wiederbeschaffte Pharmacopoeia universalis des Frankfurter Stadtarztes Johann Christian Schröder zu erwähnen (Nürnberg, Setin und Raspe, 1746–48). Die 51 großformatigen Kupfertafeln zeigen chemische Apparaturen, Heilpflanzen und Tiere. Im Bereich Belletristik wurde beispielsweise die erste Ausgabe eines berühmten Werkes der französischen Literatur ersetzt: La Princesse de Clèves von Marie-Madeleine de La Fayette (Paris, Barbin, 1678). Das bis heute beliebte und mehrfach verfilmte Buch gilt als frühes Beispiel für den psychologischen Roman und war von nachhaltiger Wirkung auf die französischen Romane des 18. und 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Ersatzexemplare und Bestandsergänzungen entstammen besonderen Provenienzen, stellvertretend seien hier zwei Beispiele genannt: Das Jüdische Ceremoniel von Paul Christian Kirchner konnte durch ein Exemplar der Nürnberger Ausgabe (Monath, 1726) aus dem Vorbesitz Wolfgang Maximilians von Goethe ersetzt werden. Der Jenaer Druck von Stefano Guazzos Schrift De civili conversatione (Steinmann, 1606) wurde in einem herausragenden Wappeneinband für den Statthalter des Herzogtums Glogau, Georg Rudolf von Zedlitz, wiederbeschafft. Im Inneren finden sich der Besitzeintrag sowie handschriftliche Kommentare von Wolfgang von Popschütz, einem Weggefährten des schlesischen Barockdichters Andreas Gryphius.

Besondere Erwerbungen 2009

Im Jahr 2009 erwarb die Bibliothek im Rahmen der Wiederbeschaffung ca. 7.000 Bücher. Unter anderem wurden seltene naturwissenschaftliche Ausgaben ersetzt, darunter Isaac Newtons Optice Sive De Reflexionibus, Refractionibus, Inflexionibus & Coloribus Lucis Libri Tres (London: Samuel Smith and Benjamin Walford, 1706) und Jacob Bartschs Planisphaerium Stellatum seu Vice-Globus Coelestis In Plano Delineatus (Nürnberg: Fürst, um 1660). Auch zwei bedeutende Erstausgaben von René Descartes, die Principia Philosophiæ sowie die Specimina Philosophiæ beide in Amsterdam bei Elzevier 1644 erschienen, sind wieder in der Weimarer Sammlung nachgewiesen. Besondere Erwähnung verdient ein Rarissimum der Reiseliteratur, die frühe Beschreibung Äthiopiens durch Balthazar Tellez und Manoel d’Almeyda: Historia Geral de Ethiopia a alta, ou Preste Ioam e do que nella Obraram os Padres da Companhia de Iesus, composta na mesma Ethiopia (Coimbra: Manoel Dias, 1660). Eine Sammlung von Reisebeschreibungen aus Afrika, Asien und Amerika beinhaltet das mit zahlreichen Textholzschnitten ausgestattete Werk von Leo Africanus: Historiale Description De l’Afriqve, Tierce Partie Dv Monde, Contenant ses Royaumes, Regions, Viles, Citez … (Antwerpen: Plantin, 1556). Innerhalb der botanischen Literatur konnte eine von drei verbrannten Ausgaben des bedeutenden Kompendiums von Pietro Andrea Mattioli ersetzt werden: Commentarii, In Libros Sex Pedacii Dioscoridis Anazarbei, de Medica Materia (Venedig: Valgrisi, 1554). Unter den Werken mit besonderer buchkünstlerischer Ausstattung ist eine mit Holzschnitten von Hans Weiditz, Hans Schäufelein und Jörg Breu d. Ä. versehene Ausgabe des Troja-Romans von Dictys Cretensis und Dares Phrygius zu nennen: Warhafftige Histori und beschreybung von dem Troianischen krieg vnd zerstörung der Stat Troie (Augsburg: Steiner, 1536). Wiederbeschafft ist außerdem das reich illustrierte Trachtenbuch von Abraham a Sancta Clara Neu-eröffnete Welt-Galleria, worinnen sehr curios und begnügt unter die Augen kommen allerley Aufzüg und Kleidungen unterschiedlicher Stände und Nationen (Nürnberg: Christoph Weigel, 1703). Vor dem Hintergrund ähnlicher Brandverluste wurde auf einer Kölner Auktion ein seltenes Thüringer Kochbuch erworben: Das große Thüringisch-Erfurtische Kochbuch oder deutliche Anweisung zu Bereitung schmackhafter Speisen, Backwerks und allerlei dahin einschlagenden Früchte, Säfte etc. für junge Frauenzimmer und Hausmütter (Erfurt: Keyser, 1797–1798). Als Verfasser des anonym erschienenen Werks gilt der Gothaer Hofkonditor Johann Christian Eupel. Einen besonderen Bezug zu Weimar stellt die Provenienz des Exemplars her: Es enthält den handschriftlichen Besitzeintrag der Weimarer Künstlerin und Tochter Friedrich Justin Bertuchs, Charlotte Froriep (1779–1839). Zur Ergänzung der Musikaliensammlung wurden mehrere Musikdrucke des Weimarer Hofkapellmeisters Johann Nepomuk Hummel angekauft sowie eine zeitgenössische Abschrift von Carl Maria von Webers Komposition Kampf und Sieg. Cantate zur Feyer der Vernichtung des Feindes im Juni 1815. Belle-Alliance und Waterloo [Op. 44] Auf dem Innenspiegel der Partitur findet sich die Notiz "Vom Componisten durchcorrigirtes Exemplar". Außerdem wurde eine ca. 750 Drucke umfassende Gesangbuchsammlung mit mehr als sechzig Drucken des 18. Jahrhunderts sowie zahlreichen Thüringer Gesangbücher in den Bestand integriert, die entsprechende Verluste unter den Gesangbüchern kompensiert.

Besondere Erwerbungen 2008

Im Jahr 2008 konnten im Wiederbeschaffungsprojekt ca. 5.800 Erwerbungen realisiert werden. Darunter befinden sich beispielsweise zwei herausragende Italica von Galileo Galilei und dessen Vater, Vincenzo Galilei. Im Antiquariatsbuchhandel wurde eines der Hauptwerke des großen Astronomen in der Erstausgabe erworben: Systema Cosmicum … In quo Quatuor Dialogis, Leiden, Elzevier, 1635. Das ebenfalls zu den Brandverlusten zählende musiktheoretische Werk des Vaters, Dialogo Della Mvsica Antica E Moderna, Florenz, Giunta, 1602, konnte in einem sehr schönen Exemplar mit Mailänder Provenienz angekauft werden. Auf einer Berliner Auktion glückte die Wiederbeschaffung einer besonders raren Erstausgabe der deutschen Literatur: C. W. Contessa, F. de la Motte Fouqué und E. T. A. Hoffmann. Kinder-Mährchen, Bd. 1, Berlin, Realschulbuchhandlung, 1816. Der erworbene Band enthält den Erstdruck von E.T.A. Hoffmanns Märchen „Nussknacker und Mausekönig“. Hoffmann lieferte auch die Vorlagen für die originellen Lithographien der Ausgabe. Angekauft wurde außerdem eine interessante Privatsammlung zur Unterhaltungsliteratur der Goethezeit, die rund 270 Titel von 160 Autoren von Ignaz Ferdinand Arnold bis zu Christian August Vulpius enthält. Der geographische Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der sächsisch-thüringischen Kulturlandschaft. Wiederbeschafft wurde außerdem eine zu den Brandverlusten zählende Folio-Ausgabe zur Reitkunst mit Holzschnitten von Jost Amman: Ritterliche Reutter Kunst darinen ordentlich begriffen wie ma[n] zuvorderst die Ritterliche vnd adeliche Vbung der Reutterey … gebrauchen und vnderscheiden möge …, Frankfurt a. M., Feyerabend und Lechler, 1584. Als Schenkung wurde der Bibliothek das seltene Werk Viridarium reformatum, seu regnum vegetabile, Das ist: Neueingerichtetes und Vollständiges Kräuter-Buch …, Frankfurt a. M., Anton Heinscheidt, 1719 übergeben. Michael Bernhard Valentinis (1657–1729) prachtvolles Blumen- und Pflanzenwerk aus dem frühen 18. Jahrhundert beeindruckt durch mehr als zweihundert großformatige Kupferstiche nach Merian, Bry, Bauhin und Mattioli. Der Band enthält außerdem den ersten, noch ohne Einverständnis seines Autors veröffentlichten Teilabdruck des alchemistischen Werks von Georg von Wellings (1652–1727) Opus Mago-Cab(b)alisticum et Theologicum. Bemerkswert ist auch das Geschenk von Francesco Petrarcas reich illustriertem Trostspiegel: Von Hülff vnd Rath in Allem anligen, Frankfurt a. M., Egenolff, 1551. Über die Zugänge im Ersatzbeschaffungsprojekt hinaus werden die vorhanden Sammlungen auch anderweitig antiquarisch ergänzt; mit Blick auf das Schillerjahr 2009 ist in dieser Hinsicht z. B. auf zwei Ergänzungen hinzuweisen: Aus schwedischem Privatbesitz stammt die seltene Vertonung der Ballade „Der Taucher“, die der Namenspatronin der Herzogin Anna Amalia Bibliothek gewidmet ist und von der bisher nur ein weiteres Exemplar bekannt ist: Der Taucher, eine Ballade von Schiller in Musik gesetzt und unterthänigst zugeeignet Ihro Durchlaucht der verwittweten Anna Amalia, Herzogin zu Sachsen-Weimar, Eisenach etc., Halle, in Johann Christian Hendels Verlage, 1802. Die Komposition des heute wenig bekannten Komponisten Johann Christian Edmer entstand nur vier Jahre nach der Erstveröffentlichung des „Tauchers“ im Musenalmanach für das Jahr 1798. Das Titelblatt der Musikalie schmückt ein sehr schönes großformatiges Titelkupfer „Scylla und Charybdis“ nach einer Zeichnung von Joachim Sandrart. Außerdem gelang der Ankauf eines bisher noch nicht nachgewiesenen Kalenders mit sieben kolorierten Illustrationen zu Schillers „Demetrios“ (Taschen-Kalender für das Jahr 1825, Augsburg, Bloßfeld, 1825).

Besondere Erwerbungen 2007

Im Rahmen der Wiederbeschaffung für Verluste durch den Bibliotheksbrand erwarb die Herzogin Anna Amalia Bibliothek 2007 unter anderem wichtige Ersatzexemplare und Bestandsergänzungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Dazu gehören beispielsweise die niederländische Erstausgabe von Jan van Zyls reich illustriertem Werk zur Mühlenbaukunst, Theatrum machinarum universale, Amsterdam, Schenk 1734., Isaac Newtons Opuscula mathematica, philosophica et philologica, Lausanne und Genf, Bousquet, 1744 oder Leonhard Eulers Einleitung in die Analysis des Unendlichen, Berlin, Hesse und Matzdorff, 1788-1791. Ebenso konnten zwei bahnbrechende wissenschaftliche Veröffentlichungen des frühen 19. Jahrhunderts wiederbeschafft werden: Carl Friedrich Gauß’ Theoria motvs corporvm coelestium in selectionibvs conicis solem ambientivm, Hamburg, Perthes und Besser, 1809 (in einem Exemplar aus dem Vorbesitz des Mathematikers Franz Woepcke) sowie Jean François Champollions Précis Du Système Hiéroglyphique Des Ancien Égyptiens, Paris, Treuttel & Würtz, 1824. Aus dem Umkreis der Fruchtbringenden Gesellschaft konnten z. B. folgende Drucke wiederbeschafft werden: Adam Olearius’ Persianischer Rosenthal, Hamburg, Nauman und Schleswig, Holwein 1654, Georg Philipp Harsdörffers Lehr- und Sinnreicher Hertzens-Spiegel …, Nürnberg, Weigel, um 1700 sowie als Schenkung eine frühe Übersetzung aus dem Italienischen: Traiano Boccalini, Relation, Frankfurt a. M., Beyer, 1655. Ersetzt wurde auch der in der Romantik wiederentdeckte Roman von Johann Gottfried Schnabel: Die Insel Felsenburg oder wunderliche Fata einiger Seefahrer, in der Bearbeitung und mit der Einleitung von Ludwig Tieck (Breslau, Max und Komp., 1828). Unter den wiederbeschafften Thuringica sind zwei Hauptwerke des Thüringer Reform- und Turnpädagogen Johann Christoph Friedrich Guths Muths zu erwähnen: Gymnastik für die Jugend, Schnepfenthal, Buchhandlung der Erziehungsanstalt, 1793 sowie das Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes, Frankfurt a. M., Wilmans und Offenbach, Brede, 1817. In den Niederlanden gelang beispielsweise der Ankauf von Büchern aus der Arbeitsbibliothek des Buchrestaurators und Einbandforschers János Szirmai, darunter einige Stücke, die Szirmai selbst eingebunden hat. Auf einer Auktion in Bayreuth konnten gemeinsam mit der ULB Halle große Teile der ehemaligen Privatbibliothek Georg August von Breitenbauchs, des Weimarer Kammerrats und Schriftstellers der Goethe-Zeit, ersteigert werden. Die bedeutendste Erwerbung war jedoch der Ankauf eines umfangreichen Teilbestands der Königlichen Gartenbibliothek Herrenhausen aus dem früheren Besitz der Welfen (Die anderen Teile der unter Kulturgutschutz gestellten Sammlung gingen an die UB Frankfurt a. M. – Senckenbergische Bibliothek und die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover). Für die Weimarer Bestände kompensiert die wertvolle Spezialsammlung zahlreiche Brandverluste aus den Bereichen Botanik, Gartenbau, Landwirtschaft und Technik. Ein herausragendes Ersatzexemplar wurde mit Johann Wilhelm Weinmanns Phytanthoza Iconographia, Regensburg, Hieronymus Lentz 1737–1745, erworben.

Besondere Erwerbungen 2006

Sidonia Hedwig Zäunemanns Bericht über Das am 21- und 22ten October 1736 unter Gluth und Flammen aechzende Erfurt (gedruckt 1736 in Erfurt bei Johann Heinrich Nonne) gehört zu den Drucken, die die Bibliothek im Rahmen der Wiederbeschaffung erwerben konnte. Insgesamt wurden 2006 mehr als 8.100 historische Drucke in den Bestand integriert. Dabei handelt es sich etwa zu gleichen Teilen um Geschenke und gezielte antiquarische Erwerbungen. Insgesamt konnten über 2.250 verbrannte Werke durch ein anderes Exemplar derselben Auflage oder Ausgabe ersetzt werden. Unter den Erwerbungen und Geschenken sind 227 Titel des 16. Jahrhunderts, 1.235 Werke des 17. Jahrhunderts und 1788 Bücher des 18. Jahrhunderts. Zu den seltenen Ersatzexemplaren gehört zum Beispiel Jean Louis Guez Balzacs Werk Le Prince, das 1631 in Paris bei DuBray, Roccolet und Sonnius erschienen ist. Eine kleine Sammlung von Magdeburgica des 16. Jahrhunderts ersetzt Drucke wie die anonymen Schriften Der von Magdeburgk verantwortung alles vnglimpffs …, die 1550 bei Lotther erschienen ist, oder den im gleichen Jahr in derselben Offizin entstandenen Bericht dero von Magdeburgk des ihennen was Mantags nach Matthei … ergangen, die beide zu den Weimarer Brandverlusten zählen. Auch von den mehr als dreihundert Verlusten unter den Lutherdrucken im weiteren Sinne sind einige wichtige Ausgaben wie zum Beispiel Erasmus Albers Barfüsser Münche Eulen(s)piegel mit einer Vorrede Martin Luthers in einer illustrierten Ausgabe von 1573 oder die 1538 bei Nickel Schirlentz gedruckten Brieff … Wider die Sabbather An einen guten Freund wieder beschafft worden. Das gilt ebenso für die Sammlung von Ausgaben aus dem Umkreis der Fruchtbringenden Gesellschaft, die stark in Mitleidenschaft gezogen wurde: Hierbei zählt Philipp von Zesens Übersetzung der Liebes-Beschreibung Lysanders und Kalisten aus dem Französischen, die  Lowijs Elzevier 1650 in Amsterdam druckte, zu den schönsten Stücken. Die Einzelerwerbungen werden ergänzt durch die Übernahme von herausragenden Sammlungen: So erhielt die Bibliothek eine bedeutende Kollektion von Don-Quijote-Ausgaben aus vier Jahrhunderten. Die Schenkung eines Buchhändlers umfaßt mehr als dreihundert bebilderte Ausgaben in zumeist bibliophiler Ausstattung. Zu den Illustratoren gehören Tony Johannot (1803–1852), Gustave Doré (1832–1883), Walter Klemm (1883–1957), Josef Hegenbarth (1884–1962) und Salvador Dali (1904–1989).

Besondere Erwerbungen 2005

Im Jahr 2005 sind durch das Wiederbeschaffungsprojekt insgesamt 3000 Werke des 16. bis 20. Jahrhunderts in den Bestand integriert worden. Dabei handelt es sich um 2000 Bücher, die nach dem Brand als Geschenke anderer Bibliotheken und von privater Seite angenommen wurden, sowie um 1000 gezielte antiquarische Erwerbungen. Insgesamt konnten über 1000 verbrannte Werke durch ein bibliographisch identisches Exemplar ersetzt werden. Unter den Erwerbungen und Geschenken sind siebzig Titel des 16. Jahrhunderts, fünfhundert Werke des 17. Jahrhunderts und mehr als neunhundert Bücher des 18. Jahrhunderts. Als Beispiele seien die reich illustrierte Naturgeschichte der Vögel des Pierre Belon du Mans, L’Histoire De La Natvre Des Oyseavx (Paris 1555), Georg Andreas Böcklers deutsche Ausgabe der Architectura curiosa nova (Nürnberg 1664). Von Klassikerausgaben wie der Historia naturalis des älteren Plinius (Venedig 1525) über Leichenpredigten wie etwa derjenigen auf Jacob Heinrich Born (Leipzig 1775) bis hin zu verbrannten Drucken aus dem Umkreis der Fruchtbringenden Gesellschaft wie den äußerst seltenen Frauenzimmer Gesprechspielen von Georg Philipp Harsdörffer (Nürnberg 1644 bis 1649, acht Bände) konnten Ersatzexemplare in Antiquariaten und auf Auktionen erworben werden; das Exemplar der Gesprechspiele stammt aus der Fürstlich-Oettingen-Wallerstein’schen Bibliothek. Als Geschenk einer privaten Gönnerin ging das Ersatzexemplar für den vom Brand betroffenen Fortgepflantzten Musikalisch-Poetischen Lustwald von 1657 ein. Auch sehr seltene Drucke wurden geschenkt, wie eine Vita des Markgrafen Leopold von Österreich -  Ein kurzer Inhalt und Extrakt deß Lebens und der Wunderzeichen Leopoldi, sechsten Marggrafen zu Österreich (Graz 1593), die bislang in keiner Bibliothek nachweisbar war. Die Bemühungen der Weimarer Bibliothek werden unter anderem von den Bibliotheken der AG Sammlung Deutscher Drucke unterstützt, indem Kollegen die Vertretung auf Auktionen übernehmen oder wie die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel Bücher aus dubletten Beständen als Geschenke übergaben. Weitere Hilfe kam von der Stadtbibliothek Mainz, die einen historischen Dublettenbestand auf Ersatzexemplare und Bestandsergänzungen für Weimar hin untersuchen ließ und mehrere hundert Bände zur Verfügung stellte. Methodisch interessant waren erste Versuche eines maschinellen Abgleichs zwischen der Verlust- und Schadensdatenbank einerseits und dem Internet-Dienstleistungsangebot des Zentralen Verzeichnisses Antiquarischer Bücher (ZVAB) andererseits. Trotz aller Bemühungen wird auch auf lange Sicht nur ein Teil der verbrannten Bücher ersetzt werden können. Nicht zu ersetzen sind unikale Aspekte der Weimarer Exemplare: Zum Beispiel konnte der verlorene Druck von Johann Gottfried Walthers Musicalischem Lexicon (Leipzig 1732) wiederbeschafft werden, aber das verbrannte Exemplar enthielt eine handschriftliche Widmung des Verfassers an Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach und ist insofern nur vom Text her gleichwertig.